PDF-Download Freu(n)de fürs Leben Wienerin, 9/2009
Freu(n)de fürs Leben
Sie sind unkomplizierter als die liebe Familie – und stehen
uns oft auch näher: Freunde. Manche kommen, um zu bleiben.
Manche gehen nur ein Stück des Weges mit uns. Und wie bei
jeder zwischenmenschlichen Beziehung gilt: Einsatz muss sein. Ein
Dossier von Mareike Müller über Aufzucht und Pflege
von Lebensmenschen, das Schluss mit einsamen Momenten macht.
Zählen Sie mal Ihren Freundeskreis durch. Noch alle da? Ganz
ehrlich? Na? Glaubt man der Statistik, so reduziert sich die Zahl
unserer Freunde drastisch, je älter wir werden. Haben
Österreicher mit 24 im Schnitt noch noch elf Freunde, sind es
mit 35 Jahren nur mehr 4,5 Freunde, hat etwa die SDI-WerteWelten
Analyse 2008 herausgefunden. Eine neue holländische Studie
behauptet sogar, alle sieben Jahre reduziere sich unser Freundeskreis
um die Hälfte. Bevor Sie jetzt Panik schieben: Um die
Mädels, mit denen Sie seit Jahren stundenlang Männer
und andere Dramen analysieren können, müssen Sie
nicht fürchten. Enge Freunde kommen Ihnen nicht abhanden
– vorausgesetzt Sie investieren wie bisher genügend
Zeit und Energie. Aber ein paar andere werden sich verabschieden, weil
sich mit dem Alter die Lebenswege teilen. Auch die Tabuthemen
ändern sich: Spricht man als Studentin beim
Mädelstreff noch gern über Stellungen, die man mit
dem neuen Lover ausprobiert hat, sind ältere Semester nicht
mehr so aufgeschlossen. Alles ganz normal. DIE BESSEREN VERWANDTEN. Warum wir überhaupt Freunde brauchen?
Klar, weil Menschen als soziale Wesen einen Rahmen suchen, in dem sie
anderen nah sein und sich helfen lassen können. Das bietet
zwar auch alles die Familie. Aber die ist in vielen Fällen oft
nicht mehr da – und wenn sie denn existiert, ist sie mitunter
nicht sehr pflegeleicht. In anderen Worten: Freunde sind die besseren
Verwandten. Man kann sie sich (im Gegensatz zur dampfplaudernden
Mizzi-Tant’) aussuchen, sie bieten einen sicheren Hafen
– und geben in den meisten Fällen trotzdem
genügend Freiraum. Denn: Sie ticken ja wie wir, das hat sie
überhaupt erst zu Freunden gemacht. Wenn wir klein sind,
helfen Freunde, unser Ich auszubilden. Wenn wir groß sind,
dienen sie als unser Spiegel, zeigen unsere Stärken und
Schwächen. Auch positiv: Freunde wirken
„konfliktdämpfend“. Sozialforscher konnten
in Studien belegen, dass mit engen Freunden weniger gestritten wird als
mit Verwandten. Wir versuchen Krach bewusst zu vermeiden, weil Freunde
gut für uns sind. Menschen mit engen Verbündeten
weisen ein gestärktes Immunsystem auf, auch ihre
Lebenserwartung ist höher.
KONTAKT-GUIDE. So viel Gutes erfordert Aufmerksamkeit. Und da liegt der
Hund begraben. Vor allem wenn im Freundeskreis der Nestbau einsetzt,
leiden die Beziehungen oft. Da sind neben dem Job und den Kollegen auch
der Partner, die Kinder und der kränkelnde Hamster. Wie da
noch das wöchentliche Update mit der Freundin implementieren?
Unser Dossier zeigt, wie Sie Freundschaften auch im
größten Alltagsstress pflegen können, ohne
sich unter Druck gesetzt zu fühlen. Experten klären,
was gute und weniger gute Freunde ausmacht – und wie man sich
von Letzteren trennt. Und: Wir zeigen Möglichkeiten, aktiv
neue Kontakte zu knüpfen. Getreu dem chinesischen Sprichwort:
„Der einzige Weg, einen Freund zu haben, ist, einer sein zu
wollen. PDF-Download Freu(n)de fürs Leben





Mareike Müller, freie Journalistin in Wien





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